ElringKlinger AG
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Mobil trotz Klimawandel

Das Automobil von Morgen im
Blickpunkt der jungen Generation

Der Vorstandsvorsitzende der ElringKlinger AG, Dr. Stefan Wolf, im Zwiegespräch mit Schülern des Abiturjahrgangs am Gymnasium Münsingen, Baden-Württemberg, über den heutigen Stellenwert des Autos für junge Menschen, alternative Antriebstechnologien und die Erwartungen an die Umweltpolitik.

Die neueste Zylinderkopfdichtung von ElringKlinger geht durch viele Hände

Wolf — Als ich das Abitur beendet hatte, war es für mich sehr wichtig, ein eigenes Auto zu besitzen. Ist das heute noch so?

Schülerin — Momentan ist ein Auto für mich kein Thema. Ich werde nach dem Abitur in der Großstadt studieren. Dort benutze ich die öffentlichen Verkehrsmittel. Aber später, besonders wenn man auf dem Land lebt, benötigt man schon ein eigenes Fahrzeug.

Wolf — In der Großstadt lässt sich ja im Bedarfsfall auf Car-Sharing zurückgreifen. Einfach übers Internet gebucht, genügt eine Member-Card oder ein Code, um das Auto zu nutzen und später wird es dann an einem beliebigen Parkplatz wieder abgestellt.

Schüler — Das funktioniert aber nur in den Ballungsräumen. Ein Auto ist auch ein Stück individuelle Bewegungsfreiheit, vor allem wenn man später Familie hat.

Wolf — Wenn ich mich mit jungen Menschen in aufstrebenden Ländern wie Indien, China oder Brasilien unterhalte, dann ist das Auto dort ein sehr wichtiges Statussymbol. Ist das in Deutschland inzwischen anders? Sind iPad und andere Technik-Gadgets für junge Menschen nicht interessanter als ein Auto?

Schülerin — Ich sage nur: fettes Auto, Fenster runter und Musik bis zum Tinitus laut. Unter Jugendlichen wird der, der einen schicken Wagen fährt, immer noch bewundert.

Schüler — Das mag für einige Jugendliche stimmen. Doch viele sehen das Thema Auto heute eher pragmatisch. Bei vielen geht es einfach darum, von A nach B zu kommen.

Schülerin — Ich denke, dass für viele Menschen das Auto in erster Linie wichtig für die Mobilität ist. Das Auto als Statussymbol ist meiner Meinung nach eher für Politiker oder Manager von Bedeutung. Für die breite Mehrheit spielt das immer weniger eine Rolle.

Wolf — Welche Antriebstechnik würden Sie sich denn auch mit Blick auf die Risiken des Klimawandels und die Umwelt anschaffen? Können Sie sich vorstellen, ein Elektro- oder Hybridauto zu kaufen?

Schüler — Wenn ich mir so ein Auto anschaffe, dann ein Hybridfahrzeug. Bei den reinen Elektroautos ist mir die Reichweite einfach zu gering. Falls der Strom unterwegs aufgebraucht ist, kann ich mit dem Verbrennungsmotor den Rest der Strecke fahren. Das Hybridauto sollte aber auch für jeden erschwinglich sein.

Wolf — Bei ElringKlinger produzieren wir Zellkontaktiersysteme für Lithium-Ionen-Batterien bereits in Serie. Die werden dann in einem reinen Elektrofahrzeug verbaut.

Schülerin — Ich habe bereits mit meiner Familie darüber geredet. Wir können uns ein Elektroauto wegen der geringen Reichweite nur als Zweitwagen vorstellen. Aber dafür sind die Fahrzeuge noch zu teuer, ein Zweitwagen sollte ja eigentlich weniger kosten als der Erstwagen.

Schüler — Ein Problem ist auch die Infrastruktur. Ich wohne auf der Schwäbischen Alb und dort gibt es nur sehr wenige Ladestationen für Elektroautos. Sicher würden mehr Menschen Elektroautos kaufen, wenn die Infrastruktur besser ausgebaut und das Aufladen preiswerter wäre.

„Allein schon aus Preisgründen sind Autos mit Verbrennungsmotoren heute wichtig.“


Wolf — Das ist heute das Problem mit den alternativen Antriebskonzepten. Sie sind noch sehr teuer. Nehmen wir mal an, Sie hätten die Wahl zwischen einem Auto mit alternativer Antriebsenergie, das deutlich weniger CO2 und andere Schadstoffe ausstößt, dafür aber 5.000 Euro teurer ist als herkömmliche Fahrzeuge und einem mit klassischem Verbrennungsmotor, das im Verbrauch optimiert ist, aber trotzdem die Umwelt etwas stärker belastet. Für welches Fahrzeug würden Sie sich entscheiden?

Schüler — Für das Auto mit klassischem Verbrennungsmotor. Der Preis ist momentan für mich ausschlaggebend. Und ein moderner Verbrennungsmotor braucht auch deutlich weniger Sprit als sein Vorgänger.

Schülerin — Umweltschutz ist für mich auf jeden Fall ein wichtiger Faktor, aber 5.000 Euro sind in jeder Lebenslage viel Geld.

Schülerin — Das ist genau der Punkt. Ich muss ehrlich sagen, dass bei mir die Kostenfrage eine große Rolle spielt. Das gilt für viele Jugendliche in meinem Alter und sicherlich auch für viele Menschen mit niedrigem Einkommen. Aus Preisgründen sind Autos mit Verbrennungsmotoren deshalb unverzichtbar.

Schüler — Trotz der Probleme sind alternative Antriebsenergien für unsere Zukunft ein wichtiges Thema. Denn Erdöl wird immer knapper.

Wolf — Das stimmt, doch der Zeitpunkt ist umstritten. Ich kann mich noch genau an die Ölkrise 1972 erinnern. Damals wurden in Deutschland über mehrere Wochen hinweg autofreie Sonntage eingeführt; für mich eine tolle Sache, denn so konnte man auf der Autobahn mit dem Fahrrad fahren. In den Zeitschriften sprach man von einem Ende der Erdölreserven in 40 Jahren. Diese Zahl 40 hat sich bis heute hartnäckig gehalten, nur ist der Zeitraum jetzt um 40 Jahre nach hinten verschoben worden. Aber Fakt ist, dass die Förderung von Erdöl teurer geworden ist. Deshalb arbeiten ElringKlinger und andere Firmen mit Nachdruck an der Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs, damit Autofahren umweltschonender wird und bezahlbar bleibt.


„Elektroautos machen nur dann Sinn, wenn der Strom aus regenerativen Quellen stammt.“


Schüler — Global gesehen, besonders in China und Indien, wird die Autoindustrie in den kommenden Jahren massiv wachsen. Deshalb brauchen wir dringend energiesparende und schadstoffarme Fahrzeuge. Und es sind ja nicht nur die Automobile, die CO2 ausstoßen. Ich denke da an die Industrie im Allgemeinen und Schiffe, die ja auch mit Diesel fahren.

Wolf — Es greift in der Tat zu kurz, nur die Automobilindustrie in den Mittelpunkt der Energiespar- Bemühungen zu stellen. Auch in anderen Branchen besteht erhebliches Optimierungspotenzial bei der Emissionsreduzierung, zum Teil mit größerem Hebel. Die Umwelt-Plattform „atmosfair.de“ beispielsweise hat errechnet, dass bei einer neuntägigen Reise mit einem Kreuzfahrtschiff pro Passagier rund 2.370 Kilogramm CO2 freigesetzt werden. Dies ist mehr als ein Autofahrer im ganzen Jahr verursacht. Hinzu kommen Schadstoffe wie Rußpartikel und Stickoxide, die häufig ungehindert in die Luft geblasen werden.

Schülerin — Man sollte an die Betreiber der Kreuzfahrtschiffe schreiben und sich über die hohen Schadstoff-Emissionen beschweren. Dann werden in Zukunft vielleicht auch dort mehr alternative Antriebstechniken und Abgasfilter zum Einsatz kommen.

Schüler — Gibt es nicht schon technologische Lösungen für diese Probleme?

Wolf — Die gibt es. Durch Abgasnachbehandlung wie Rußpartikelfilter lässt sich auch hier viel erreichen. Mit viel Aufwand haben wir in den letzten 15 Jahren vor allem in Europa den Ausstoß von Stickoxiden, Kohlewasserstoffen und Rußpartikeln bei Automobilen und Lkw durch den Einsatz von Katalysatoren, SCR-Systemen und Partikelfiltern erheblich verringert. Die Schifffahrt, aber auch andere Industrien haben hier noch Nachholbedarf. ElringKlinger engagiert sich darum verstärkt auf dem Gebiet der Filtertechnologie für die Schifffahrt.

Schülerin — Ich finde es gut, dass die Automobilindustrie eine Vorreiterrolle in Sachen Energieeffizienz einnimmt. Vielleicht ziehen dann die anderen Branchen irgendwann nach.

Schüler — Bei Elektroautos bin ich aber auch skeptisch, was die Nutzung von sauberem Strom angeht. Heutzutage stammt dieser häufig aus Kohlekraftwerken. Elektroautos machen aber nur dann Sinn, wenn der Strom aus regenerativen Quellen stammt.

Wolf — Bei der Bewertung der Umweltauswirkungen ist immer die gesamte Energiebilanz entscheidend. Bei der Produktion von Elektroautos ist oftmals ein höherer Energieeinsatz vonnöten, zudem entsteht mehr CO2. Es kann also aus ökologischen Gesichtspunkten durchaus mehr Sinn machen, einen Wagen mit einem effizienten Verbrennungsmotor zu fahren.

Wolf — Wie beurteilen Sie denn generell die Automobilhersteller bzw. die Zulieferindustrie: Wird hier genug für die Schadstoffreduzierung getan? Wie sehen Sie die zukünftige Rolle der Automobilindustrie in Deutschland?

Schülerin — Die Automobilindustrie ist von großer Bedeutung für unsere Wirtschaft. Die Entwicklung neuer Technologien bietet große Chancen für den Standort Deutschland. Sehr viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz in der Automobilindustrie.

Wolf — In der Tat sind mehr als 750.000 Menschen bei den Automobilherstellern und den Zulieferbetrieben beschäftigt.


„Wenn sich beim Klimaschutz etwas ändern soll, musst Du bei Dir selbst anfangen.“


Schüler — Deshalb sollte man die Automobilindustrie weiter unterstützen. Wenn von ihr neue nachhaltige Ideen und Technologien kommen, profitiert davon die gesamte Wirtschaft und es entstehen weitere Arbeitsplätze. Das ist gerade für uns Jugendliche wichtig.

Wolf — Wenn es erstrebenswert ist, ökologisch nachhaltige Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, sollte die Politik die nötigen Akzente setzen.

Schülerin — Wir tun zwar viel für die Wirtschaftsförderung, aber noch viel zu wenig für den Umweltschutz. Mein Vorschlag für die Automobilbranche und die Politik: Junge Menschen unter 25 Jahren sollten beim Kauf eines Autos mit alternativem Antrieb oder mit sehr niedrigen CO2-Werten einen Umweltbonus erhalten, der den Preisunterschied zum Fahrzeug mit klassischem Verbrennungsmotor ausgleicht oder zumindest verringert.

Schüler — Eine weitere Idee für die Politik: Der Staat baut Ladestationen, kauft Elektroautos und bietet diese zu einem günstigen Preis zum Leasing oder als Mietfahrzeug an.

Schüler — Ich wünsche mir generell eine bessere Planung bei der Energiewende. Hier fehlen stimmige Konzepte: Wenn zum Beispiel im Norden erzeugte Windenergie nicht im Süden ankommt, weil die Stromtrassen fehlen, ist das mehr als ärgerlich.

Schüler — Klimaschutz lässt sich außerdem nur global umsetzen. Wenn wir in Deutschland zum Beispiel Umweltzonen in den Städten einführen, ist das schön und gut. Wenn aber gleichzeitig in China immer neue Kohlekraftwerke gebaut werden, wird am Ende wenig für das Klima erreicht.

Wolf — Das sehe ich genauso. Wir müssen die globale Perspektive im Auge behalten. Es ist positiv, dass Deutschland technologisch vorausdenkt, aber wenn andere Staaten den eingeschlagenen Weg zum Umweltschutz nicht mitgehen, haben wir ein Problem. Erfreulicherweise gibt es in vielen Ländern erhebliche Fortschritte. Strengere Abgasgrenzwerte gibt es inzwischen in China, aber auch in Ländern wie Indonesien, den Philippinen, Malaysia und Thailand. Aber wichtig ist, dass Emissionsreduzierung branchenübergreifend angegangen wird.

Schülerin — Jeder sollte bei sich anfangen und mit gutem Beispiel vorangehen. Auch ohne Elektro oder Hybridauto kann man viel für den Klimaschutz tun. Zum Beispiel öfter mal zu Fuß gehen oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, anstatt jede kleine Strecke alleine im eigenen Auto zurückzulegen.

Wolf — Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Welcher Antrieb wird in zehn Jahren auf Europas Straßen dominieren? Das Elektroauto, die Brennstoffzelle oder der optimierte Verbrennungsmotor?

Schüler — In den Großstädten wird es viele Elektroautos geben, da die Infrastruktur bis dahin besser ausgebaut sein wird. Außerhalb der Ballungsgebiete und auf dem Land dagegen rechne ich eher mit Hybridautos und verbrauchsärmeren Verbrennungsmotoren. Und wenn wir mit dem Klima viel Pech haben, bewegen wir uns auf Booten.

Gelöste Atmosphäre – auch wenn man nicht immer einer Meinung war

Schüler — Falls Elektro- und Hybridautos nicht deutlich billiger werden und die Reichweiten- Problematik nicht gelöst ist, sehe ich alternative Antriebstechnologien eher skeptisch.

Wolf — Zum Schluss noch eine persönliche Frage an Sie: Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 1 sehr wichtig und 10 unwichtig ist, welchen Stellenwert besitzt das Thema „Klimaschutz“ für Sie?

Schülerin — Wenn ich gefragt werde, dann sage ich sicher 1 oder 2. Aber selbstkritisch muss ich sagen, dass es im Alltag eher 5 oder 6 ist.

Schüler — Da ich als Einzelner wenig bewegen kann und nicht die Mittel habe, etwas zu ändern, liegt der Klimaschutz bei mir zwischen 5 und 6.

Schüler — Bei mir liegt der Wert bei 6 bis 7. Unternehmen werfen oft Maschinenteile und Produktionsreste, die nicht mehr benötigt werden, komplett weg. Verbrauchermüll geht in die Verbrennungsanlage – von wegen Vorsortierung. Wieso soll ich mir dann privat die Mühe machen?

Schülerin — Diese Haltung bringt uns als Gesellschaft aber nicht weiter. Wenn sich etwas ändern soll, musst Du bei Dir selbst anfangen.

Wolf — Ein passendes Schlusswort. Ich bedanke mich für den ehrlichen und spannenden Austausch und die Anregungen, die Sie mir mit auf den Weg gegeben haben.