ElringKlinger AG
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konnichiwa
japanisch: Guten Tag

Japan ist ein Land alter Traditionen. Als ausländisches Unternehmen dort Fuß zu fassen, ist schwierig, unter anderem aufgrund der „Keiretsu“ – enge Zusammenschlüsse einheimischer Firmen. Doch die einst geschlossenen Netzwerke öffnen sich langsam, und japanische Firmen verlangen weltweite ­Präsenz von ihren Lieferanten.

Mit rund acht Millionen produzierten Pkw pro Jahr zählt Japan zu den wichtigsten Automobilnationen der Welt. Toyota, einer der international größten Fahrzeughersteller, ist hier beheimatet. Kein globaler Zuliefe­rer kann es sich erlauben, die hiesigen Autobauer zu ignorieren. Doch während die japanischen Autohersteller weltweit Standards in der Industrie gesetzt haben, folgt die Branche ihren eigenen Gesetzen. So wird das Straßenbild im Gegensatz zu Deutschland oder den USA von einheimischen Mar­ken dominiert, allen voran Klein- und Kleinstwagen. Importeure haben nur einen Marktanteil von rund 6 %. Auch beim Antrieb dominieren andere Präferenzen. Nirgendwo ist der Hybridanteil so hoch wie in Japan.

Als Teil des Wirtschaftssystems ist auch der Automobilsektor von den traditionellen Keiretsu geprägt. So gibt es in Japan enge Netzwerke zwischen Automobilherstellern und ihren bis zu 300 Zulieferern. Durchschnittlich 60 % der Teile für ein japanisches Auto stammen heute noch von japanischen Zulieferern. Doch bei den Herstellern setzt seit einiger Zeit ein Umdenken ein – nicht zuletzt aufgrund von Fukushima und der zunehmenden Volatilität der eigenen Währung. Japanische Hersteller fordern eine globale Präsenz ­ihrer lokalen Lieferanten, aber genau das ist oftmals deren Schwäche. Dennoch: Zentrale Design- und Einkaufs­entscheidungen werden nach wie vor in Japan gefällt. Und trotz der neuen Offenheit sind Geschäfte mit den japanischen Autobauern kein Selbstläufer. „Umso wichtiger ist es für ausländische Zulieferer, in ­Ja­pan präsent zu sein. Sie müssen Vertrauensbeziehungen aufbauen, und das kann nur aktiv vor Ort geschehen“, erklärt Raita Otomo, Geschäftsführer des Joint Ventures ElringKlinger Marusan in Japan.

Die japanischen Autohersteller erwarten eine besonders intensive Zusammenarbeit mit ihren Zulieferern. Kurzfristige Änderungen in der Entwicklungsphase oder Designanpassungen sind keine Seltenheit, Lieferanten müssen dabei schnell und mit voller Unterstützung mitwirken. Die Reaktionsfähigkeit eines Lieferanten ist entscheidend für eine langfristig erfolgreiche Partnerschaft.

ElringKlinger begegnete diesen besonderen Anforderungen 2004 mit der Gründung der Entwicklungs- und Vertriebsgesellschaft ElringKlinger Marusan, ein 50:50 Joint Venture mit Sitz in Tokio. Auf der einen Seite die japanischen Eigentümer, die den lokalen Markt und seine besonderen Gepflogenheiten kennen – und aufgrund der das Unternehmen als japanischer Zulieferer akzeptiert wird. Auf der anderen Seite ein internationaler Konzern, der auf einen globalen Produktionsverbund zugreifen kann.

Die Herausforderung besteht darin, diese zwei Seiten gleichberechtigt weiterzuentwickeln und sowohl die Geschäftsbeziehungen mit den japanischen Kunden auszubauen als auch das weltweite Produktionsnetzwerk des ElringKlinger-Konzerns mit japanischen Aufträgen zu füllen. Otomo: „Einen wichtigen Meilenstein haben wir 2015 erreicht, als wir einen Serienauftrag von einem japanischen Volumenhersteller erhielten. Der erste Großauftrag von diesem Kunden. Ab 2017 liefern wir für die nächste Motorengeneration jährlich über eine Million Leichtbau-Abschirmsysteme. Produziert wird sowohl in Japan als auch bei ElringKlinger in Buford in den USA. Ein schöner Erfolg – wir arbeiten an der Fortsetzung.“


Raita Otomo: Geschäftsführer des Joint Ventures ElringKlinger Marusan Corporation in Tokio, Japan