ElringKlinger AG
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Klimagipfel

Im Alter von neun Jahren gründete Felix Finkbeiner die Initiative „Plant for the Planet“, die eine Billion neuer Bäume pflanzen will, um die Welt vor der Klimakatastrophe zu bewahren. Im Gespräch mit dem heute 17-jährigen Abiturienten diskutiert Dr. Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender von ElringKlinger, ob moderne Technologie die Klimaerwärmung noch stoppen kann.

Wolf — Vor einem Jahr fragte ich einige Abiturienten, wie wichtig ihnen der Klimaschutz sei. Die Antwort lautete: In der Theorie ist es für mich das wichtigste Thema, im Alltag haben oft andere Dinge Priorität.

Finkbeiner — Die Klimaerwärmung ist eine langfristige Krise, die alle in meiner Generation beschäftigt. Neue Studien zeigen, dass drei Viertel aller Kinder und Jugendlichen aus den Industrienationen die Klima­katastrophe und die Gerechtigkeitskrise als die wichtigsten Herausforderungen sehen.

Wolf — Das sind sie sicher auch, und daher ist es wichtig, etwas zu unternehmen. ElringKlinger hat sich auf die Fahnen geschrieben, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Denn ohne Mobilität wird es nicht gehen. Unsere technischen Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgereizt, daher müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, CO2 einzusparen. Wenn keiner etwas tut, dann ändert sich auch nichts.

Finkbeiner — Langfristig können wir die Probleme nur durch weltweite Zusammenarbeit lösen. Daher sind internationale Verhandlungen für ein Klimaschutzabkommen der Schlüssel. Aber diese Verhandlungen dauern schon länger als ich alt bin. Immer wieder heißt es: In fünf Jahren packen wir es an. Das ist frustrierend – und trotzdem gibt es keine Alternative zu einer globalen Lösung.

Wolf — Wir dürfen CO2-Reduzierung nicht nur in Deutschland oder in Europa betreiben. Damit können wir das Klima nicht retten, dafür ist unser Beitrag zu klein. Und schließlich ist die ganze Welt betroffen. Deshalb finde ich die Initiative „Plant for the Planet“ auch so interessant.

Finkbeiner — Und trotzdem sollte ein Land wie Deutschland weltweit vorausgehen – zum Beispiel mit dem Projekt der Energiewende. Eine große Chance, denn die ganze Welt schaut auf Deutschland. Wenn wir es als Industrieland schaffen, dann hat kein anderes Land mehr eine Ausrede, warum Energieeinsparungen und der Umstieg auf Erneuerbare Energien nicht möglich sein sollten.

Wolf — Wichtig ist, dass die Energiewende auch ökonomisch funktioniert. Denn nur, wenn wir den Umstieg schaffen und wirtschaftlich erfolgreich sind, wird man uns in der Welt als Erfolgsmodell wahrnehmen und vielleicht sogar kopieren. Die Automobilindustrie ist da ein gutes Beispiel: Wir haben in Europa die strengsten Emis­sionsgrenzwerte. Die werden nun sukzessive exportiert. China führt bis Ende des Jahrzehnts die bei uns geltenden Grenzwerte ein. In den USA dauert das wahrscheinlich bis 2025, aber auch dort muss sich die Automobilindustrie auf immer strengere Verbrauchsnormen einstellen. Für ElringKlinger ist das eine riesige Chance: Denn wir haben die Technolo­gien, die man für effizientere Motoren und Fahrzeuge benötigt.

Finkbeiner — Ich finde das beeindruckend. Und dennoch bin ich davon überzeugt, dass wir langfristig die öffentliche Mobilität viel stärker ausbauen sollten und weltweit noch umweltfreundlichere und letztlich weniger Autos benötigen.

Wolf — Für meine Generation war es das Wichtigste, mit 18 Jahren sofort ein Auto zu haben. Aber heute hat das anscheinend nicht mehr den Stellenwert, zumindest hierzulande. In den stark wachsenden Industrienationen Asiens beobachten wir hingegen, dass das Auto auch weiterhin als Statussymbol dient. Daher müssen wir dafür Sorge tragen, dass Autos, wenn sie denn fahren, weniger CO2 ausstoßen.

„Grundsätzlich wäre es möglich, unseren CO2-Ausstoß um 75 Prozent zu reduzieren. Wir haben in der euro­päischen Fahrzeugindustrie bereits in den letzten zehn Jahren gezeigt, wie groß der technologische Fortschritt sein kann.“


Dr. Stefan Wolf

„Wenn CO2 für jeden etwas kosten würde, dann gäbe es einen Anreiz für alle Industriezweige, den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren.“


Felix Finkbeiner

Finkbeiner — Die beste Lösung dafür wäre ein weltweiter Handel mit Emissionsrechten. Wenn CO2 für jeden etwas kosten würde, dann gäbe es einen Anreiz für alle Industriezweige, den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren, nicht nur für die Automobilindustrie.

Wolf — In der Tat gibt es auch in anderen Bereichen enorme Einsparpotenziale, zum Beispiel bei der Beheizung unserer Häuser. Wir haben ein Brennstoffzellensystem entwickelt, das durch Kraft-Wärme-Kopplung einen Wirkungsgrad von fast 90 Prozent erreicht. Wenn man in Deutschland alle Heizungen durch Brennstoffzellen oder Kraft-Wärme-Kopplung ersetzen würde, könnte man unglaublich viel CO2 einsparen.

Finkbeiner — In Summe haben wir heute noch eine ganz starke Kopplung zwischen unserem Wohlstand und dem CO2-Ausstoß. Seit mehr als 200 Jahren steigt dieser mit dem Lebensstandard. Genau diesen Zusammenhang müssen wir auflösen. Ich bin davon überzeugt, dass das möglich ist. Denn wenn CO2 einen Preis bekommt, dann investiert jeder Industriezweig in neue, bessere Technologien.

Wolf — Entscheidend ist letztlich, dass der Gesetzgeber entsprechende Vorgaben macht. Ein Beispiel dazu aus der Schifffahrt, deren Schadstoffausstoß ungleich viel höher ist als der von Pkw und Nutzfahr­zeugen: Hochwirksame Abgasnachbehandlungssysteme sind von ElringKlinger verfügbar, doch damit die Reeder diese auch einbauen, bedarf es einer entsprechenden gesetzlichen Regelung. Wenn Kreuzfahrtschiffe europäische Häfen nur noch anlaufen dürften, wenn sie bestimmte Emissionsstandards erfüllen, würden die Schiffe schnell nachgerüstet. Wir brauchen schärfere Regeln, nicht nur wie bereits in der Automobilindustrie vorhanden, sondern auch in vielen anderen Bereichen.

Finkbeiner — Das beste Beispiel dafür ist die Glühlampe. Es gab 135 Jahre lang keinen Anreiz, in neue Technologien zu investieren. Erst die EU-Regulierung hat dazu geführt, dass innerhalb sehr kurzer Zeit die LED-Technik marktfähig wurde. Man kann über die Aus­gestaltung von Richtlinien streiten, nicht aber darüber, dass wir sie dringend benötigen, um CO2-Einsparungen zu erzielen.

Wolf — Sie reden aber nicht nur über Klimaschutz, sondern Sie tun etwas ganz Konkretes: Bäume pflanzen. Wie groß ist der Beitrag, den man damit leisten kann?

Finkbeiner — Wir haben zusammen mit der Universität Yale eine Studie erarbeitet, deren Ergebnis zeigt: Weltweit haben wir Platz für 1.000 Milliarden Bäume, zusätzlich zu den rund 3.000 Milliarden Bäumen, die heute bereits stehen. Dabei handelt es sich letztlich um Flächen, die bereits bewaldet waren, aber abgeholzt wurden und heute brach liegen. Wenn wir es schaffen, so viele neue Bäume zu pflanzen, dann nehmen diese zusätzlichen Bäume ein Viertel des weltweit jährlich durch den Menschen verursachten CO2-Ausstoßes auf. Das kann das globale Klimaproblem alleine natürlich nicht lösen, gibt uns aber ein wenig mehr Zeit für den Umstieg auf CO2-arme Technologien und gesetzliche Regelungen, die bestimmte Grenzwerte verbindlich vorschreiben.

Wolf — Das wäre fantastisch. Denn grundsätzlich wäre es möglich, unseren CO2-Ausstoß um 75 Prozent zu reduzieren, davon bin ich fest überzeugt. Wir haben ja in der europäischen Fahrzeugindustrie bereits in den letzten zehn Jahren gezeigt, wie groß der technologische Fortschritt sein kann. Jetzt müssen wir diese Erfahrung auf andere Branchen übertragen. Dazu bedarf es aber noch eines Bewusstseinswandels.

Finkbeiner — Zu diesem Bewusstseinswandel wol­­len wir beitragen. Denn Bäume pflanzen zeigt: Jeder kann etwas tun, es ist ganz leicht. Wir müssen nicht auf die Regierung oder gar die Vereinten Nationen war­ten. Und jeder Baum, den wir gepflanzt haben, ist nicht nur ein CO2-Speicher, sondern auch ein Zeichen dafür, dass noch viel, viel mehr getan werden kann und muss.

Wolf — In Ihrer Generation ist dieser Wandel schon sehr ausgeprägt, viel stärker als zu der Zeit, als ich Abitur gemacht habe. Deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass wir einen neuen gesellschaftlichen Konsens erreichen. Denn der ist unbedingt notwen­dig, um neue Technologien wie alternative Antriebe in den Markt zu bringen. Ein Beispiel: Grundsätzlich ist die Brennstoffzelle ein sehr attraktiver Antrieb, doch dabei geht es um mehr als um die Fahrzeugtechnik. Noch ist zum Beispiel die Wasserstoffherstellung viel zu energieintensiv, wir brauchen neue Verfahren. Und wir brauchen die Infrastruktur, um Wasserstoff tanken zu können.

Finkbeiner — Ich bin davon überzeugt, dass wir grundsätzlich alle Technologien haben oder entwickeln können, um im Jahr 2050 keine CO2-Emissionen mehr zu verursachen. Wir brauchen nur den politischen Willen, das auch umzusetzen. Anders formuliert: Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen können, aber ich bin mir absolut nicht sicher, dass wir es schaffen werden.

Wolf — Wenn wir darauf schauen, was wir in der Automobilindustrie bereits geschafft haben, dann bin ich sehr optimistisch, dass wir das auf andere Indu­s­trie­zweige übertragen können. Zuversichtlich macht mich auch, wie groß das Engagement in der jungen Generation ist. Denn Sie gestalten die Welt der Zukunft! Natürlich ist es ein etwas längerer Weg, aber wir können das Ziel gemeinsam erreichen.